Offener Brief an die SPD Hochfeld

Stellungnahme der Initiative für ein soziokulturelles Zentrum

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Demming-Rosenberg,

im WAZ Artikel „Ein Ort zum Lernen – und Feiern“ vom 13.03. 2017 durften wir erneut von Plänen der SPD Hochfeld für die Alte Feuerwache erfahren. Dabei sind einige Fragen offen geblieben, zu denen wie Ihnen auf diesem Wege unsere Position erläutern möchten.

Wir wünschen uns eine offene und partizipative Form der Kommunikation. Dies könnte z.B. erfolgen, indem noch einmal der Runde Tisch einberufen wird, der von der SPD Hochfeld geleitet wird. Am 08.11.2016 wurde aufgrund des großen Interesses im Stadtteil an der Alten Feuerwache extra zu diesem Thema ein Treffen im Büro der EG DU einberufen. In dessen Folge bildete sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe. Seitdem feststand, dass die Bezirksregierung 2,1 Millionen zurück fordert, fand kein weiteres Treffen statt. Wir wollten den Prozess nicht abbrechen lassen und haben die Treffen selber einberufen – woraus unsere Initiative entstand.  Die Treffen waren öffentlich – die SPD Hochfeld wurde informiert, Frau Demming-Rosenberg persönlich eingeladen. Bisher war jedoch niemand von Ihnen bei unseren Treffen, hat Alternativtermine vorgeschlagen oder uns nach unseren Vorstellungen gefragt und miteinbezogen.

Damit sich nicht verhärtete Fronten bilden, versuchen wir nun auf diesem Wege einen gemeinsamen Prozess anzusteuern. Das Netzwerk, das sich der Runde Tisch aufgebaut hat, kann uns in vielen Aspekten helfen. An nötige Informationen kamen wir nur durch viele Nachfragen heran. Es ist daher unser Wunsch mit Entscheidungsträgern zusammen zu arbeiten und nicht erst nach den Beschlüssen informiert zu werden.

Wir fordern ebenso einen Ort für alle – um das verwirklichen zu können, haben wir damals eine Beteiligungswerkstatt gefordert, damit ansässige Vereine und neue Impulsgeber von außen zusammen über eine langfristiges Konzept sprechen können. Hierbei sollten die Bedürfnisse, Wünsche und Kapazitäten der jeweiligen Interessenten in einen Einklang gebracht werden. Um offen für alle zu sein, finden wir es wichtig, bereits zu diesem Zeitpunkt transparent und kommunikativ zu handeln.

Verwundert sind wir auch darüber, dass ein soziokulturelles Zentrum so sehr auf Ablehnung stößt seitens der SPD? Was verbinden Sie mit dem Begriff soziokulturelles Zentrum? Sie sprechen von einem Bildungsort – wir auch. Was stellten Sie sich denn darunter vor, wenn ihre Pläne eines „Bildungszentrums“ über ein soziokulturelles Zentrum hinaus gehen? Unsere zahlreichen im Stadtteil gesammelten Ideen beinhalten Hausaufgabenbetreuung, Theaterkurse für Schüler, Jugendtreffpunkte und vielfältige Projekte und Workshops, die Kindern und Jugendlichen aus dem Viertel niederschwellige Angebote in interaktiven Begegnungsräumen bereitstellen, die weit über das hinaus gehen was „Schule“ leisten kann. Bildung ist mehr als Schule! Die vielfältigen sozialen, ökonomischen und kulturellen Herausforderungen in diesem Viertel brauchen Ansätze, die das Konzept der Soziokultur bietet und welches in zahlreichen Städten auf unterschiedliche Arten, angepasst an die Bedürfnisse des Stadtteils, funktioniert.

Gerade ein soziokulturelles Zentrum setzt auf Partizipation und Teilhabe der Menschen vor Ort. Dass die Schule einige Räume zeitweise nutzen soll, ist für uns also kein Ausschlusskriterium–sondern kann Teil unseres Konzeptes sein! Ein soziokulturelles Zentrum bietet die Möglichkeit den Kindern und Jugendlichen außerhalb des Schulkontextes über den Weg der Kultur ansprechende Angebote zu machen, die von Expertinnen, Eltern, engagierten Anwohnerinnen und den Schülern geplant und umgesetzt werden. Kinder und Erwachsene könnten an solch einem Ort miteinander lernen. Vielleicht gibt es Unklarheiten bei den Begrifflichkeiten, lesen sie doch einmal über unsere Vorstellungen auf unserer Website (http://feuerwache.hochfeld.org) oder der Bundesvereinigung für soziokulturelle Zentren, an der wir uns orientieren, nach. Mit einem soziokulturellen Ort könnte es auch für kreative und sozial engagierte Menschen in Duisburg und darüber hinaus einen Platz geben, wo sie ihre Projekte verwirklichen können und Impulse in den Stadtteil setzen.

Sie sprechen davon, dass Sie sich kein soziokulturelles Zentrum an diesem Ort wünschen, haben Sie Vorschläge, wo ein besserer Ort sein könnte? Bisher konnten nie geeignete Gebäude gefunden werden, so wurde erneut 2016 ein Prozess ein Kulturzentrum in der Altstadt zu etablieren anhand dieses Umstandes auf Eis gelegt. Wir finden jedoch Hochfeld einen guten Ort, immer mehr junge Menschen und Studenten ziehen nach Hochfeld, freut sich die Presse. Dies liegt vor allem an der zentrale Lage und den Mietpreisen. Aber was wollen wir diesen Leuten bieten und wie können wir dem wachsenden Willen zum Engagement begegnen? Wir finden auch deswegen, dass wir einen Ort brauchen, der viele verbindet. Wir sind uns der Problemlage und der Pluralität des Stadtteils bewusst und haben daher nicht bereits einzelne Konzepte von den jeweiligen Vereinen vorgelegt oder als „Gruppen aus der Eigenstraße“ (laut WAZ) erarbeitet. Wir sind Anwohnerinnen dieses Stadtteils und wollen dies auch bleiben, wohlfühlen und mitgestalten, deswegen setzen wir auf ein Miteinander und kein Gegeneinander. Teilhabe trägt zur Identifikation mit dem Stadtteil bei, der stark stigmatisiert wird von außen.  Das Viertel ist „jung, bunt und hilfsbedürftig“ – das klingt in unseren Augen als wäre ein soziokulturelles Zentrum perfekt an dieser Stelle. Wir finden im Gegenzug eine Einrichtung, die nur akute Hilfe leistet und kein Platz für neue Strukturen und kreative Lösungsansätze lässt – zu wenig. Wir sollten darüber reden!

Wir merken immer wieder, dass die Vorurteile zwischen einzelnen Gruppen groß sind. Aber wem wollen wir etwas von einer offenen Gesellschaft erzählen und vorschreiben? Wir schaffen es nicht mal untereinander, als Menschen, die soziale Projekte anstoßen, helfende Strukturen aufbauen und etwas Zukunftsgerichtetes im Stadtteil kreieren wollen, an einem Strang zu ziehen. Sie sprachen von „Eigenstraßenkreisen“, auch wenn unsere Initiative weiter vernetzt ist, zeigt die Eigenstraße bereits, wie Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichem Bildungsniveau und verschiedenen Ansichten versuchen sich zusammen zu setzen.

Wir haben keine fertige Lösung, aber unzählige Ideen. Wir wollen uns ausprobieren um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. So handelt auch die Initiative für ein soziokulturelles Zentrum in der Feuerwache – um einen Ort der Begegnung, der Nachbarschaft, Bildung und Teilhabe zu schaffen. In diesem Sinne wurde auch die Feuerwach ursprünglich renoviert und sind Fördergelder geflossen, da die Notwendigkeit und die Möglichkeiten eines solchen Zentrums erkannt wurden. Leider wurden diese Vorgaben seit 2011 nicht mehr erfüllt.

Wir sind ein offener, hierarchiefreier Kreis von Initiativen, der sich so einen Ort wünscht. Bei uns kann jeder mitmachen, wir handeln transparent. Lasst uns zusammen an einen Tisch setzen um herauszufinden , welche Gemeinsamkeiten wir haben!

Dazu laden wir Sie herzlich zum „Ball der Solidarität“ der Cooperative Duisburg am 28.3. in der Alten Feuerwache ein, wo wir unser Konzept für die Alte Feuerwache vorstellen wollen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Christin Siebert für die Initiative für ein soziokulturelles Zentrum in der Feuerwache

 

Als PDF: OffenerBrief an die SPD HOCHFELD

 

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