good practise Beispiele aus anderen Städten

Wie es woanders geht und was alles denkbar wäre.

Beispiele aus anderen Städten zeige, das sich die Förderung und Unterstützung soziokultureller Arbeit lohnt und vielseitig gewinnbringend für die Stadtgesellschaft ist. Jedoch sind die meisten dieser heute etablierten Orte aus Eigeninitiative engagierter Bürger*innen, oft einhergehend mit sozialen Proteste, entstanden. Duisburg besitzt kein einziges soziokulturelles Zentrum, in anderen Städten mit derselben Einwohnerzahl, wäre dies undenkbar.

Soziokultur ist wichtig, da sie versucht alle einzubinden, wobei niederschwellige Kulturangebote das Vorhandensein von Hochkultur nicht ausschließen. Jedoch können solche Konzepte nur mit finanzieller Förderung funktionieren, da privatwirtschaftliche Zwänge die Programmvielfalt beschränken und ungewöhnliche und erschwingliche Angebote weniger möglich machen . In Anbetracht der Herausforderungen, die gerade das Viertel Hochfeld zu meistern hat, ist ein Ort der Begegnung, der Kommunikation, des Lernen, der demokratischen Teilhabe und des interkulturelles Austausches mehr als eine Bereicherung.

Was sie Feuerwache sein könnte, kann man sich vielleicht besser vorstellen, wenn man den Blick nach außen wendet.

 

In der Nachbarstadt Essen gibt es bereits seit den 70er Jahren ein soziokulturelles Zentrum, die Zeche Carl,  das auch nach der Pleite des Trägervereins 2009 gerettet wurde und in eine gemeinnützige GmbH überging, befindet sich jedoch weiterhin im Besitz der Stadt Essen. Die Zeche Carl wurde damals unter dem Motto „Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel“ auf Initiative von Altenessener Bürger*innen, Jugendlichen und örtlichen Kirchengemeinden wiederbelebt.  Im Haus finden Konzerte, Comedy- und Kabarettveranstaltungen, Lesungen, Ausstellungen statt und es gibt ein breites Kursangebot. Räume können von Externen angemietet werden. Außerdem werden zwei  von eigenständigen Vereinen verwaltet, im Pförtnerhaus befindet sich eine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und der Verein im  Maschinenhaus bietet ein künstlerisches Programm an. Die Zeche Carls ist jedoch nicht das einzige soziokulturelle Zentrum der Stadt (Kulturzentrum Grend).

Im Düsseldorfer zakk wird ein stark interkultureller Fokus gelegt. Das Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation im Düsseldorfer Stadtteil Flingern besteht ebenso bereits seit 1977. In der alten Fabrikhalle wird Kultur für alle angeboten.  Schwerpunkte werden auch auf die Projektarbeit gesetzt. So gibt es Schreibwerkstätten, Geocachs, Sprachkurse aber auch Partys und Festivals. 150.000 Gäste gehen jährlich bei 800 Veranstaltungen ein uns aus (Quelle: zakk). Das Konzept ist vielseitig, so treten auch bekannte Künstler in dem Haus auf, aber es bleiben Räume für Initiativen kostenlos verfügbar.

Zehn soziokulturelle Zentren fördert die Stadt Leipzig institutionell, die nur etwas größer als Duisburg ist. Eines davon ist die Villa im Zentrum der Stadt, die aus einer Besetzung in den 90er Jahren hervorging. Diese wurde 2015 mit einer Summe von 94.000 Euro im Jahr von der Stadt  gefördert, hinzu kamen  fast 400.000€ an projektgebundenen Einnahmen, allein von der Stadt Leipzig (Quelle: die villa). Auch dieser Verein hatte mehrere Hürde zu überwinden. Nachdem ihnen das Haus für Kinder- und Jugendzwecke einige Wochen nach der Besetzung zugestanden wurde, kam es zu Fördermittelkürzungen, die durch Proteste verhindert wurden. Außerdem wurde ihnen der Mietvertrag gekündigt, anschließend jedoch ein bereits renoviertes Gebäude der Leipziger Industrie- und Handelskammer übergeben. Das Programm hat sich heute ausgeweitet, neben Konzerten, Theaterkursen, Medien und Fotowerkstätten und zahlreichen Kursangeboten, werden beispielsweise auch Sachen außerhalb des Hauses angeboten und das Wave Gotik Treffen hat dort auch einen Ort . Es findet sich mittlerweile etwas für alle Altersgruppen und zunehmend nehmen vor allem Senor*innen die Angebote wahr. Das Haus wird ebenso von einer gemeinnützigen GmbH geführt, die sich aus den drei ehemaligen Vereinen zusammensetzt. Sie verstehen sich als einen Raum der Gemeinwesenarbeit anbietet, dies jedoch ehrenamtlich und nicht von der Stadt unterstützt.

Es muss aber nicht immer klassisch sein, im Grandhotel Cosmopolis in Augsburg werden neue Konzepte ausprobiert und mit aktuellen Fragestellungen, wie der würdigen Unterbringung von Geflüchteten verknüpft. Hierbei handelt es sich genau genommen um kein soziokulturelles Zentrum, es werden eher verschiedene Ansätze verknüpft. Warum nicht also mal ein Asylheim anders denken und mit kulturellen und sozialen Konzepten mischen? Im Grandhotel Cosmpolis gibt es eine Bürgergaststätte und Atelier Cafe im Erdgeschoss und Wohnen für Durchreisende und Geflüchtete in den oberen Etagen. Ebenso werden hier Geflüchtete beraten und können an den Geschehnissen im Haus partizipieren. Alle Zimmer sind individuell von Künstlern gestaltet. Die Eigentümer ist die Diakonie, Mieter sind die Regierung und ein Verein, der die sozialen Aktivitäten organisiert. Das Haus sieht sich als Gesamtkunstwerk und es hat den Anspruch eine neue Idee von Zusammenleben in der heutigen Gesellschaft zu erproben.

Im kleineren Rahmen ein ‚Haus für Alle‘ bieten, möchte auch das Centro Sociale in Hamburg, verfolgt hierbei aber einen wesentlich politischeren Ansatz. Im Zuge der Gentrifizierungstendenzen im Viertel St.Pauli  und der daran anschließenden Recht auf Stadt Proteste besetzten Aktivisten 2008 in Hamburg ein Gebäude um etwas gegen die Kommerzialisierung ihres Viertels zu unternehmen. Momentan mietet eine Genossenschaft das Gebäude, um finanziell schlechter gestellten Menschen die Teilhabe zu ermöglichen, gibt es einen Förderverein. Das selbstverwaltete Gebäude, das jedoch nur einen befristeten Mietvertrag für 500 m² hat, bietet Räume für Initiatives, Sprachkurse, Büchertauschs, Aufenthalt und Workshops für z. B. Theater an. In Hamburg gibt es neben den klassischen Kulturorten und soziokulturellen Zentren, noch einige solcher Ort, wie beispielsweise das Gängeviertel, was jedoch mehrere Häuser übergreift und wo neben sozialen und kulturellen Angeboten auch gewohnt und gearbeitet wird. Das Gelände sollte ehemals abgerissen wurde und wurde durch eine Besetzung und vielfältige Proteste, sowie medialer Aufmerksamkeit einer neu geründeten Genossenschaft zur Nutzung überlassen.  Heute ist es UNESCO Ort der kulturellen Vielfalt, die Genossenschaft streitet weiterhin um ihre Verträge mit der Stadt Hamburg.

Diese Beispiele zeigen, dass es geht es auch ohne die Unterstützung der lokalen Verwaltung möglich ist, zumindest Räume zugestanden werden, die leider immer durch Proteste und illegale Handlungen erkämpft werden müssen um dann in offiziellen Broschüren zu glänzen. Vielleicht sind das Erproben von selbst verwalteten Strukturen und das Überlassen von Häusern an ein paar Kreative, die sich Ausprobieren und noch dazu den Stadtteil einbinden, vielleicht auch besser als Leerstand, wie er in vielen Orten der Stadt Duisburg zu sehen ist und verfallen gelassen wird. Andere Städte haben hierfür zunehmend ‚Schaltzentralen‘ eingerichtet, die zwischen Bürger und Verwaltung vermitteln und durch, zumindest temporäre Konzepte, neue Möglichkeiten zu erproben.  (Bsp. ZwischenZeitZentrale Bremen). Die Stadt Duisburg ist im Wandel, aber neue Perspektiven werden kaum verwirklicht. Es wird sich jetzt zeigen, ob neue Ideen und Vorschläge, die bereits im Kulturentwicklungsplan festgeschrieben sind, auch umgesetzt werden.

Die Debatte beginnt und endet also nicht mit der Feuerwache, aber hier zeigt sich die Notwendigkeit und der Bedarf für kulturelle Ansätze um urbane Fragestellungen zu lösen sowie die unzureichende Expertise der letzten Jahre mit neuen, bürgernahen Prozessen umzugehen, im Besonderen. Zeigen wir das es anders geht, woanders klappt es doch auch!